Ha ho höre – Hansa Amateure
VFC Plauen vs. Hansa Rostock II 2:0
Die Einführung der neuen drei geteilten Regionalliga hat für viele Hansafans in Süddeutschland einige Vorteile mitgebracht. Ab diesem Jahr ist es möglich, dass wir aus Nürnberg einige Spiele der Zweiten Mannschaft sehen können ohne die halbe Republik überbrücken zu müssen.
Demzufolge war die Fahrt ins Vogtland ziemlich schnell in trockenen Tüchern, auch die Terminierung auf Freitag störte uns nicht wirklich. Jens hatte seine Führerscheinprüfung bereits vor Jahren erfolgreich hinter sich gebracht und einen fahrbaren Untersatz hatte er auch irgendwo erworben. Somit stand eine 90-minütige Autobahnfahrt bei fast optimalen Bedienungen (wenige Staus, fast trockene Straßen) nichts mehr im Wege. Auch ein Regenschirm wurde vorsorglich in das VW Gefährt verfrachtet – das Autodach hätte ja undicht sein können.
Viel zu früh lenkte Jens sicher und geschickt sein Gefährt vor das schmucke Vogtlandstadion, welches von Außen einen zwar baufälligen, aber doch einen sehr speziellen Eindruck auf uns machte. Einige Erinnerungen ans Erzgebirgsstadion von Aue kamen in mir hoch. Es scheint fast so, als gäbe es in Sachsen nur einen „Stadion”-Bauer.
Am Stadionhäuschen konnten sich auch gleich zwei Gästekarten für die Sammlung erworben werden. Hier blickten uns zwei ungläubige Augen an, ganz so als wäre die Frau überrascht, dass doch auch Gästefans den heutigen Kick sehen wollten.
Die Einlasskontrollen wurden auf das Hansa üblich Niveau angepasst, sodass es fast verwunderlich schien, dass das kleine Mädchen seinen Teddybär nicht aufschlitzen musste, um diesen auf gefährliche Gegenstände zu untersuchen. Ich denke, dass ich mir in nächster Zeit in einen Anglerladen eine passende Anglerjacke mit 50 und mehr Taschen besorge. Mit dieser werde ich dann den Gästeblock betreten. All zu viele neugierige Griffe bleiben mir dann erspart
Das Stadion überraschte im seinen Inneren auch mit eigenartigen Konstruktionen: So befand sich direkt in der Verpflegungstation eine (saubere) Toilette eingebaut. Auch die sächsischen kulinarischen Köstlichkeiten sorgten für ein gehöriges Zungenschnalzen. Fettbemmen, Wiener und Bratwürste konnten verzehrt werden. Bestellte man eine Bratwurst, bekam man lächelnd ein Paar Wiener gereicht. So muss das sein!
Bulette war für jeden Gästefan dankbar, sodass er jeden einzelnen mit Handschlag begrüßte. Insgesamt wiederholte der Fanbeauftragte seinen Händedruck gezählte 47 Mal – eine Zahl, die für ein Freitagsspiel der zweiten Mannschaft doch als sehr ordentlich erscheint. Der Großteil der anwesenden Hansa Anhänger war wohl in der Zwickauer Umgebung beheimatet und die „35 Leute aus Rostock, die sich aufgemacht hatten“ (Bulette) trafen irgendwie nicht alle vollständig ein. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man bei einer Auswärtstour mit einer normalen Schwund Quote von 10% rechnen muss, insofern hätten aber immer noch 31 Leute und ein Hund im Gästeblock eintreffen müssen.
Und Fußball wurde auch noch gespielt. Und das noch nicht einmal so schlecht – Hansa begann sehr forsch und machte schnell deutlich, dass man nicht gekommen war, um sich das schöne Vogtland anzusehen. Trainer Fink wollte mit geballter Offensive die Angriffsbemühungen der Plauener im Keim ersticken und dies gelang auch. Vorallem Sebastian Albert, der auch schon in der ersten Mannschaft etwas Fuß gefasst hat, zwang mit einem guten Distanz Schuss den Plauener Keeper zu einer Parade, sodass sein Ball an die Latte klatschte. In der Folgezeit waren sich alle 47 Hansa Anhänger einig: Hier müssen wir bald führen! Gerade nach Eckbällen und Freistößen war die Plauener Abwehr nicht sortiert, doch der Ball wollte einfach nicht hinter die Linie.
Der neu verpflichtet Mendy entzückte die Zuschauer nicht nur mit soliden Stellungsspiel in der Abwehr, sondern auch mit guten Tor Möglichkeiten. Einmal wirkte der Torhüter bereits ausgespielt, aber der Franzose brachte den Ball nicht an diesen vorbei. Halbzeit.
Der Wind wurde zur zweiten Halbzeit etwas kälter und damit wir uns im Gästeblock nicht erkälteten, machten wir das, was wir am Besten konnten: Wir sangen. Ein zünftiges „Ha ho höre – Hansa Amateure“ bis hin zu „Addu Waku Menga“ (schön krächzend, geht eigentlich immer) und der absolute Aprés Ski Hütten Schlager „Selbst die Fans von Liverpool haben Angst vor Motor Suhl“ waren zu vernehmen. Köstlich!
Doch die gute Stimmung im Block schlug sich nicht auf dem Platz um. Extrem unglücklich ging unser Zweite in Rückstand, als man sich selbst im Mittelfeld abschoss und der Ball noch vorne zu einem Plauener sprang. Dieser konnte, trotz Verletzung, problemlos einschieben.
Dieses Gegentor sorgte bei unseren Mannen für einen Bruch im Spiel – es fand in der Folgezeit kein Aufbäumen mehr statt und auch ein „Wir gewinnen sowieso“ sorgte für keine sichtbare Veränderung. Plauen hatten nun das Heft in der Hand und schlug noch ein weiteres Mal zu: Nach einem Einwurf sah die Hansa Verteidigung nicht gut aus und machte es den Vogtländern zu leicht. 2:0 für Plauen.
Somit ging dieses Spiel verloren. Doch wir waren uns alle einig, dass unsere Zweite mit so einer guten fußballerischen Darbietung die Klasse halten wird. Nach dem Spiel kamen alle Spieler zum Abklatschten zu uns – eine Aktion, die in der Bundesliga sehr selten geworden ist.
Im Endeffekt bleibt festzuhalten, dass es trotz der Niederlage, ein sehr gutes Spiel von Hansa gewesen ist. Uns hat es wirklich Spaß gemacht und spielerisch weiß die Mannschaft uns zu überzeugen. Es wird für uns nicht das letzte Spiel der Amateure gewesen sein.
December 16th, 2009 at 11:52 am
green bowel movements…
good stuff - great blog!…